Projekt

Erhaltung von Biodiversität und Inwertsetzung von Ökosystemleistungen durch Rewilding – vom Oderdelta lernen

Das Aufhalten des Biodiversitätsverlustes stellt auf globaler, europäischer und deutscher Ebene ein zentrales politisches Ziel dar, wobei die Erfolgsbilanz bisheriger Naturschutzbemühungen gemischt ist. In den vergangenen Jahren ist daher „Rewilding“ („Förderung von Wildheit“) als innovatives, prozessorientiertes Konzept des Biodiversitäts- und Naturschutzes in die Diskussionen gerückt. Es zielt darauf ab, durch das Wiederzulassen natürlicher Prozesse (Verbreitungspotential, stochastische Störungen und trophische Komplexität) die adaptive Kapazität von Ökosystemen zu stärken, um so Biodiversität zu befördern und Ökosystemleistungen (ÖSL) bereitzustellen. Dabei wird eine wirtschaftliche Nutzung der Gebiete nicht ausgeschlossen. Ursprünglich in Nordamerika entwickelt, findet das Konzept heute auch in Europa und in Deutschland erste Anwendungen; in Europa sind acht Gebiete durch die Organisation „Rewilding Europe“ als Modellgebiete ausgewählt worden, eines davon im deutsch-polnischen Grenzgebiet an der Odermündung.

Das Vorhaben REWILD_DE greift das Konzept am Beispiel des einzigen deutschen Rewilding-Gebietes Oderdelta auf und adressiert damit verbundene naturwissenschaftliche und sozioökonomische Bewertungsfragen sowie Aspekte der Umsetzung. Es wird untersucht, welche Möglichkeiten und Grenzen das Rewilding in verschiedenen Ausprägungen (etwa Wiedervernässung, Fließgewässerrenaturierung, natürliche Beweidungsansätze) für die Erhaltung und Wiederinstandsetzung der Biodiversität und die Bereitstellung von Ökosystemleistungen bietet und welche Rolle es für den Biodiversitäts- und Naturschutz in Deutschland einnehmen könnte. Mit dem Ansatz der „Ecosystem Services Opportunities“ wird analysiert, unter welchen Bedingungen Ökosystemleistungen (im Sinne regionalwirtschaftlicher und weiterer gesellschaftlicher Vorteile) des Rewilding in Wert gesetzt werden können, damit sich in der Region an der Odermündung eine Unterstützung der betroffenen Stakeholder einstellt.

Die instrumentelle Perspektive auf bereitgestellte ÖSL wird ergänzt durch die Erfassung intrinsischer und kollektiver Werte mit Hilfe von deliberativen Bewertungsverfahren sowie der Entwicklung eines „Rewilding-Dialogs“ mit der Bevölkerung vor Ort. Über künstlerische Zugänge soll dabei eine Verständigung über Leitbilder des Rewilding erreicht sowie Wertschätzung für intangible Werte von Natur gefördert werden.

REWILD_DE entwickelt auf dieser Basis ein Gesamtkonzept für die Umsetzung von Rewilding am Oderdelta. Schließlich wird die Übertragbarkeit der Erfahrungen und Ergebnisse auf den Naturschutz in Deutschland untersucht, insbesondere das Potenzial und die Erfolgsbedingungen des Rewilding als komplementärer Naturschutzansatz für Deutschland. Das Antragskonsortium verfügt über exzellente Vorkenntnisse in den Bereichen Rewilding (MLU/iDiv), Bewertung und Ecosystem Service Opportunities (UFZ) sowie regionalwirtschaftliche Analyse (HNEE). Über den Vorstand des Projektpartners Rewilding Oder Delta e.V. (ROD) bestehen seit 2012 etablierte Beziehungen zu zentralen Akteuren vor Ort. Dies eröffnet große Chancen für eine erfolgreiche dauerhafte Umsetzung des Rewilding im Odergebiet und eine umfassende Beurteilung des Konzepts für den Naturschutz in Deutschland.