Wertschätzung von Biodiversität – zur Modernisierung der Wirtschaftsberichterstattung in Deutschland

Für die Erhaltung der Biodiversität ist von entscheidender Bedeutung, dass die Natur und ihre Leistungen besser in den Wirtschaftsberichtserstattungen – und zwar sowohl auf unternehmerischer als auch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene – integriert werden. Obwohl dieses Anliegen in internationalen Fachkreisen nun auf der Agenda steht und hierzu in den vergangen Jahren Vorschläge unterbreitet und vereinzelt auch Fortschritte erzielt worden sind, mangelt es vor allem an der Umsetzung innovativer Berichterstattungssysteme: Nach wie vor werden die Natur und ihre Leistungen entweder gar nicht, oder nur unvollständig und randständig in wirtschaftlichen Berichtssystemen aufgegriffen. Vor allem mangelt es daran, dass die vorgeschlagenen Alternativen von den Nutzern nicht aufgegriffen werden.

An dieser Stelle setzt das Vorhaben Bio-Mo-D an: es sollen auf Basis einer eingehenden Analyse der Bedarfe von Nutzern und ihrer Mitwirkung bestehende Berichtssysteme um Aspekte des Naturkapitals und der Ökosystemleistungen erweitert und in unternehmerische und gesamt-wirtschaftliche Kennzahlen überführt werden. Das Projekt zielt auf eine Modernisierung der Wirtschaftsberichterstattung ab, die Elemente von Naturkapital und Ökosystemleistungen (besser) integriert und sowohl politische als auch unternehmerische Entscheidungsprozesse in Richtung Erhalt und Entwicklung von Biodiversität verändert. Dies ist eine wichtige Grundlage, um Biodiversität besser in privaten und öffentlichen Entscheidungen zu berücksichtigen. Die Besonderheit von Bio-Mod-D liegt dabei darin, dass die Nutzer umfassend und prozessbegleitend von Anfang an in die Erweiterungen der Berichterstattung eingebunden werden. Hierzu sind bei den Antragstellern zahlreiche Vorarbeiten gelaufen, und es bestehen hervorragende Partnerschaften und Netzwerke, um dieses Ziel zu erreichen. Als Praxispartner fungiert die BASF SE, Ludwigshafen, sowie Partner der „Value Balancing Alliance“, Frankfurt am Main. Darüber hinaus soll ein breites Netzwerk von Akteuren eingebunden werden, insbesondere unterstützen BfN und UBA das intendierte Vorhaben. Innovative Ziele sind dabei nicht nur die Weiterentwicklung der nationalen und unternehmerischen Wirtschaftsberichterstattung, sondern – basierend auf der Analyse des internationalen und nationalen „State of the Art“ – die Klärung, ob es sinnvolle Beziehungen, Ergänzungen, Synergien und kooperative Weiterentwicklungen zwischen der Makro- und Mikroebene gibt.

Intendiert ist darüber hinaus eine Veränderung des Framings: Es geht nicht mehr ausschließlich um die Wachstumsorientierung, sondern die Erkenntnis einer verantwortungsvollen Einbeziehung von Naturkapital und Ökosystemleistungen in die entsprechenden wirtschaftlichen Berichtssysteme, welche zu einer institutionell abgesicherten und erhöhten Wertschätzung von Biodiversität in der Gesellschaft führen, nicht zuletzt bis hin zu Finanzinvestoren (Stichwort Green Finance).

Ergebnisse der 1. Projektphase sind der weitere Aufbau der Kooperation mit der unternehmerischen Initiative „Value Balancing Alliance“, die Ausarbeitung der detaillierten Vorhabensbeschreibung für die 2. Projektphase sowie zwei Analysepapiere: zu Defiziten der Wirtschaftsberichterstattung in Deutschland einerseits und zu einer „Roadmap“ über zukünftige innovative Schritte andererseits.