Projekt

Akteursorientierte Risikoklassifizierung von Herkünften agrarischer Produkte auf der Basis weltweit räumlich differenzierter Auswirkungen auf Biodiversität (AKRIBI)

Vielen Kunden ist bewusst, dass zahlreiche von ihnen konsumierte Lebensmittel auf einer internationalen Wertschöpfungskette beruhen. Der Handel versucht zunehmend verantwortungsvoll einzukaufen und die damit verbundenen Umweltprobleme möglichst gering zu halten. Die dafür zur Verfügung stehenden Informationen sind jedoch meist auf ausgewählte Produktionsketten beschränkt. Bisher erfassen Ansätze zur produktspezifischen Zertifizierung nur direkte Umweltauswirkungen auf den landwirtschaftlichen Betrieben, so dass z.B. Effekte wie Verluste natürlicher Ökosysteme und der Verlust von Arten über indirekte Landnutzungsänderungen in der Herkunftsregion nicht abgebildet werden.

Hier setzt das geplante Vorhaben an: In Kooperation mit Handelsunternehmen und Produzenten des Ernährungssektors wird eine ökologisch relevante und ökonomisch praktikable Methode entwickelt, mit deren Hilfe die Unternehmen ihre Bezüge so gestalten können, dass Hochrisiko-Regionen bezogen auf Biodiversitätsverluste und damit verbundene negative Folgen für die Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung sowie der Imageschaden für das Unternehmen gemieden werden. Als Ansatzpunkt dient ein erweiterter agrarischer Fußabdruck von international gehandelten biogenen Rohstoffen und Halbfertigwaren. Dieser sollte neben der reinen Flächeninanspruchnahme im jeweiligen Herkunftsland auch regionale Umweltwirkungen sowie zur Abschätzung der Ernährungssicherung auch Aspekte der Bodenfruchtbarkeit (Bodendegradation) erfassen und nach Risikoklassen differenziert bewerten.

Mit dieser Methode wird ein weltweites, regionsbezogenes Inventar erstellt, in dem die Anbauflächen, insbesondere solche für den Export von Agrargütern, entsprechend bewertet und mit weltweiten Referenzwerten sowie deutschen und europäischen Anbauflächen verglichen werden. Der konzeptionelle Ansatz, die Auswahl, Interpretation und Nutzbarmachung der Bewertungskriterien und Kennzahlen erfolgt im Austausch mit den betroffenen Wirtschaftsakteuren in Deutschland und Stakeholdern in Exportländern. Es werden konzeptionelle Ansätze entwickelt und empirisch getestet, um Problemverlagerungen infolge von Substitutionen bei verändertem Einkauf der Handelsunternehmen zu vermeiden. Das Projekt ermöglicht es den Handelsunternehmen und Unternehmen der Lebensmittelverarbeitung, die Nachhaltigkeit von Agrarexportländern und das Risiko von Bezügen aus deren Regionen im Hinblick auf Biodiversitätswirkungen der Landnutzung besser einschätzen zu können. Diese egionsspezifische Risikoklassifizierung unterstützt strategische Unternehmensentscheidungen und ergänzt produktspezifische operative Kennzeichnungen.