Hast du Lust auf eine kleine Reise? Dann pack Badesachen und Gummistiefel ein – es geht ans Meer! Aber nicht ans warme Mittelmeer, sondern dorthin, wo Möwen über Strandkörben kreisen und Fischbrötchen dazugehören. Na, hast du schon eine Idee? Genau, unsere Reise führt uns an die Nord- und Ostseeküste Deutschlands!
Unsere Küste ist über 2.300 Kilometer lang und hat richtig viel zu bieten. Kein Wunder, dass jedes Jahr viele Menschen hier Urlaub machen. Doch Nord- und Ostsee sind nicht nur tolle Reiseziele, sondern auch Heimat für eine ganz besondere Tier- und Pflanzenwelt.
Denn dort, wo sich Land und Meer begegnen, entstehen vielfältige Lebensräume:
- Zu den marinen Lebensräumen zählen das freie Meer (Pelagial) und andere Bereiche, die immer mit Wasser bedeckt sind (Sublitoral) ‒ beispielsweise Sandbänke oder Riffe.
- In amphibischen Lebensräumen wechseln sich Wasser und Trockenheit ab. Hierzu zählt der Bereich, der von Ebbe und Flut geprägt ist (Eulitoral).
- Terrestrische Küstenlebensräume befinden sich an Land ‒ zum Beispiel Salzwiesen, Dünen oder Strände.
Nord- und Ostsee sind sehr unterschiedlich. An der Nordseeküste gibt es das berühmte Wattenmeer, ein UNESCO-Weltnaturerbe. Zweimal täglich kommt und geht das Wasser. Viele Küstenvögel suchen hier Futter, und auf geführten Wattwanderungen kannst du Krebse, Muscheln und andere Tiere entdecken. Die Ostsee ist ruhiger: Sie hat kaum Gezeiten und weniger Salz im Wasser. Dafür gibt es hier viel Abwechslung entlang der Küste ‒ von Steilküsten über flache Buchten bis hin zu geheimnisvollen Küstenmooren.
Weil die Bedingungen an der Küste ziemlich extrem und wechselhaft sind, leben hier viele spezialisierte Tier- und Pflanzengemeinschaften. An Land müssen sie mit hohen Salzgehalten klarkommen und im Wasser mit der Trockenheit bei Ebbe. Deswegen gibt es hier nicht so viele verschiedene Arten wie in anderen Gebieten, dafür aber die größte Vielfalt an Tierstämmen in Deutschland. Ein Stamm ist eine Gruppe von Tieren, die durch eine gemeinsame evolutionäre Herkunft verbunden sind. Alle 16 Tierstämme, die es bei uns gibt, kommen hier vor – acht davon sogar nur in den Küstengewässern!
Unsere Küsten sind gefährdet – doch was hat das mit uns Menschen zu tun?
Jetzt weißt du schon, warum Küsten so besondere Lebensräume sind. Viele Tiere und Pflanzen sind auf diese einzigartige Umgebung angewiesen und können woanders nicht überleben. Doch der Lebensraum ist auch besonders empfindlich, und der Mensch beeinflusst Küstenregionen stark.
Beispiele dafür, wie der Mensch Küstenregionen beeinflusst
Fischerei
Neben Zielarten wie Hering oder Kabeljau, landen auch viele andere Meerestiere in den Fangnetzen – oft ungewollt.
Veränderung der Landschaft
Schon seit dem Mittelalter wurden durch Deichbau und Landgewinnung natürliche Lebensräume wie Salzwiesen zerstört. Heutzutage werden auch viele Leitungen, Rohre und Anlagen zur Gewinnung von Energie im Meer verbaut – eine neue marine Infrastruktur entsteht.
Schifffahrt
Auf den Meeren tummeln sich Schiffe für Handel, Fischerei und Tourismus. Große Schiffe schleppen oft fremde Arten ein, die sich manchmal stark ausbreiten und einheimische Lebewesen verdrängen. Außerdem verändert das Ausbaggern von Fahrrinnen für Schiffe den Meeresboden.
Verschmutzung
Über Flüsse gelangen Dünger ‒ und dadurch die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor ‒ ins Meer. Das führt zu Algenwachstum, Sauerstoffmangel und beeinträchtigt Lebensräume und Biodiversität. Auch Schadstoffe aus der Industrie fließen ins Meer. Sie können sich in Tieren anreichern und Lebensgemeinschaften schädigen.
Klimawandel
Steigende Temperaturen treffen Meeresbewohner besonders hart – denn sie leben sowieso schon näher an der Grenze der Temperatur, die sie maximal aushalten können. Außerdem bedroht der Anstieg des Meeresspiegels flache Küstenlebensräume wie Wattbereiche.
Eine Besonderheit an Küsten ist, dass hier viele verschiedene Nutzungen durch den Menschen zusammenkommen: im Meer (Fischerei und Schifffahrt), an Land (Tourismus und Landwirtschaft) ‒ und auch Einflüsse aus dem Binnenland (Abwässer oder Dünger) landen irgendwann im Meer. Das führt dazu, dass Lebensräume zerstört werden und die biologische Vielfalt abnimmt. Und: Viele Probleme verstärken sich gegenseitig. Zum Beispiel wird eine wärmere Nordsee empfindlicher für Schadstoffe.
Unsere Küsten sind also ein faszinierender, aber auch stark gefährdeter Lebensraum. Viele der heutigen Probleme sind von uns Menschen gemacht. Doch weil wir das erkannt haben, können wir auch etwas grundlegend verändern ‒ und damit unsere Küsten schützen. Zugleich sorgen wir so dafür, dass wichtige Ökosystemleistungen der Meere und Küsten erhalten bleiben, wie etwa die langfristige Bereitstellung von Nahrung für Mensch und Tiere.
Was bedeutet Transformation – und warum ist sie notwendig, um die biologische Vielfalt an den Küsten zu schützen?
In vielen Lebensräumen – auch an unseren Küsten – verschwinden immer mehr Tier- und Pflanzenarten. Das nennt man Biodiversitätsverlust. Um das zu stoppen, sind große Veränderungen notwendig. Solche Veränderungen werden auch Transformation oder transformativer Wandel genannt.
Transformation bedeutet: Wir als Gesellschaft müssen unsere Denk- und Handlungsweisen grundlegend ändern. Das betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern auch unser Verhalten im Alltag und die Art, wie Politik und Behörden arbeiten. Alte, schädliche Strukturen müssen durch neue, nachhaltige Lösungen ersetzt werden ‒ Lösungen, die der Biodiversität helfen, anstatt ihr zu schaden.
Das klingt ein bisschen kompliziert – und das ist es ehrlich gesagt auch. Denn eine echte Veränderung passiert nicht über Nacht. Sie braucht viele Mitwirkende und eine gemeinsame Anstrengung. Aber: Sie ist möglich!
Ein gutes Beispiel ist das Wattenmeer an der Nordseeküste.
Früher wurde das Wattenmeer stark genutzt – zum Beispiel durch Fischerei, Schifffahrt oder den Bau von Deichen. Kostbare Lebensräume und viele Tier- und Pflanzenarten litten darunter. Doch dann kam eine große Veränderung: Zwischen 1985 und 1990 wurden drei große Nationalparks eingerichtet, die sich entlang der deutschen Nordseeküste erstrecken:
- Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
- Niedersächsisches Wattenmeer
- Hamburgisches Wattenmeer
Seitdem gibt es klare Regeln, was erlaubt ist und was nicht. Beispielsweise gibt es bestimmte Wege für Besucher und Bereiche, in denen Tiere ungestört leben dürfen. Ziel ist es, die Lebensräume zu schützen und deren natürliche Entwicklung zu ermöglichen. Auch der Tourismus wird umweltfreundlicher gestaltet – zum Beispiel durch geführte Wattwanderungen.
2014 wurde das gesamte Wattenmeer sogar zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Das bedeutet, dass es sich um ein außergewöhnliches Naturgebiet handelt, das als besonders schützenswert für die gesamte Menschheit gilt.
Durch den Schutz des Wattenmeers konnten sich dort die Natur und ihre biologische Vielfalt erholen. Außerdem arbeiten nun Deutschland, Dänemark und die Niederlande gemeinsam daran, das Wattenmeer zu bewahren ‒ denn es gibt noch immer viel zu tun.
Das Wattenmeer zeigt uns, dass Transformation möglich und wirksam ist. Und diese positiven Erfahrungen können wir auch für den Schutz anderer Lebensräume nutzen – zum Beispiel für die Planung eines Ostsee-Nationalparks.
Gemeinsam für den Schutz unserer Küsten und Meere – wen brauchen wir alles für eine Transformation?
Unsere Küsten sind etwas Besonderes: Hier treffen Land und Meer aufeinander, und viele Menschen nutzen diese Gebiete – zum Beispiel für Fischerei, Tourismus oder Energiegewinnung. Damit eine Transformation stattfinden kann und der Lebensraum erhalten bleibt, müssen also viele verschiedene Akteure zusammenarbeiten.
Diese Akteure müssen zusammenarbeiten, um in die Transformation zu kommen
Politik und Behörden
Bundesregierung und Küstenländer (zum Beispiel Schleswig-Holstein oder Niedersachsen) setzen Regeln zum Schutz der Meere fest und überwachen, was in den Gewässern passiert. Behörden wie das Umweltbundesamt oder die Nationalparkverwaltungen kümmern sich darum, dass Gesetze und Naturschutzregelungen umgesetzt werden. Auch Städte und Gemeinden vor Ort entscheiden mit, wie die Natur genutzt wird.
Internationale Organisationen
Auch große Organisationen wie die Europäische Union (EU) oder die Vereinten Nationen (UN) helfen mit. Sie legen Gesetze oder Ziele für den Küsten- und Meeresschutz fest, die in vielen Ländern gelten – auch in Deutschland.
Wirtschaft
Unternehmen aus der Fischerei oder dem Tourismus nutzen das Meer – aber sie sollten das möglichst umweltfreundlich tun. Auch Landwirtinnen und Grundstücksbesitzer spielen eine Rolle, weil ihr Handeln das Meer beeinflussen kann.
Wissenschaft
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchen die Küsten und Meere, beobachten Veränderungen und liefern wichtige Daten, wie man sie besser schützen kann.
Bildungseinrichtungen
Schulen, Museen oder Umweltzentren vermitteln das nötige Wissen, warum der Küstenschutz wichtig ist und wie jeder von uns helfen kann. Sie bilden auch Leute aus, die ihr Wissen weitergeben.
Naturschutzorganisationen
Organisationen wie zum Beispiel BUND oder NABU setzen sich für den Schutz der Meere ein und sorgen durch Öffentlichkeitsarbeit für Aufklärung. Dabei helfen auch viele Menschen vor Ort ehrenamtlich mit.
Uns alle (die Zivilgesellschaft)
Wir alle können dabei mithelfen, dass große Veränderungen stattfinden. Wenn wir beispielsweise Bildungsangebote nutzen, umweltfreundlicher konsumieren oder mit anderen über Natur- und Meeresschutz sprechen, ist der Erfolg größer. Die Errichtung der Wattenmeer-Nationalparks an der Nordseeküste war zum Beispiel nur möglich, weil sich viele Menschen für den Küstenschutz eingesetzt haben!
Wenn wir die Natur schützen wollen, müssen wir unseren Umgang mit ihr grundlegend verändern. Nicht nur an den Küsten, sondern überall. Das Wattenmeer ist ein gutes Beispiel dafür, dass das sehr gut funktionieren kann ‒ wenn viele Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeiten.