Ein Biber schleppt ein Ast im Wasser
Der europäische Biber formt durch Dammbauten die Landschaft und fördert die biologische Vielfalt.
Eine Collage von Fotos von Auen und Binnengewässer
Binnengewässer und Auen schließen viele verschiedene Lebensräume mit ein.

Binnengewässer sind vielfältige Lebensräume, die alle mit Wasser zu tun haben, aber nicht zum Meer gehören. Sie liegen im Inneren von Kontinenten und bestehen meistens aus Süßwasser. Dazu zählen nicht nur große Seen und Flüsse, sondern auch kleine Tümpel im Garten. Manche sind dauerhaft da, andere entstehen nur vorübergehend – zum Beispiel nach starkem Regen oder bei Hochwasser. Diese unterschiedlichen Lebensräume hängen oft eng miteinander zusammen und sind sehr wichtig für die biologische Vielfalt – und auch für uns Menschen!

Wichtige Lebensraumtypen, die zu den Binnengewässern zählen

Flüsse

Flüsse sind ständig in Bewegung – das Wasser fließt in eine Richtung, das nennt man Strömung. Es gibt ruhige Stellen und Abschnitte mit starker Strömung, wodurch viele verschiedene Lebensräume entstehen.

Quellen

Quellen sind die Orte, an denen Grundwasser an die Oberfläche sprudelt – und sie sind der Ursprung eines Flusses.

Auen

Wenn Flüsse über die Ufer treten, entstehen Auenlandschaften. Das sind Gebiete, die natürlicherweise regelmäßig überschwemmt werden und genau deshalb besonders vielfältig sind. Hier treffen Wasser- und Landlebensräume aufeinander. Außerdem speichern Auen Kohlenstoff und helfen so dem Klima.

Seen

Seen sind größere Wassermengen, die im Gegensatz zu Flüssen keine gerichtete Strömung haben. Das Wasser bewegt sich kaum. Trotzdem ist dort einiges los, und es gibt im See verschiedene Zonen: flache Uferbereiche, aber auch tiefe, dunkle Zonen. Viele spannende Lebewesen leben hier – von winzigen Algen bis zu großen Fischen.

Kleine Stillgewässer

Auch kleine Gewässer sind großartige Lebensräume, zum Beispiel Weiher, Tümpel oder Gartenteiche. In ihnen steht das Wasser meist still. Manche sind natürlich entstanden, andere wurden vom Menschen angelegt. Diese Orte sind unter anderem sehr wichtig für Amphibien wie Frösche und Molche – und auch Libellen legen dort ihre Eier ab.

Grundwasser

Unter der Erde gibt es riesige Wasservorräte ‒ das Grundwasser. Es ist die größte Süßwasserquelle der Welt, wenn man mal vom Eis absieht. Grundwasser versorgt viele Flüsse mit Wasser, auch wenn es mal nicht regnet, und bietet Lebensraum für kleine, kälteliebende Organismen.

Was macht Binnengewässer so besonders für die biologische Vielfalt?

Binnengewässer sind viel mehr als einfach nur Wasser. Sie sind faszinierende, oft verborgene Lebensräume voller Vielfalt – und sie gehen uns alle etwas an! In ihnen leben unglaublich viele verschiedene Tiere, Pflanzen und andere Organismen, und sie spielen eine bedeutende Rolle für die biologische Vielfalt. Aber was genau macht Binnengewässer so besonders?

Das hängt unter anderem damit zusammen, dass dort die biologische Vielfalt besonders hoch ist. Obwohl Binnengewässer in Deutschland nur etwa 2,2 % der Landesfläche einnehmen, leben dort überraschend viele Arten: Je nach Artengruppe machen die Bewohner von Flüssen, Seen und anderen Binnengewässern zwischen 13 % und 20 % aller bekannten Arten in Deutschland aus – das ist ganz schön viel für so wenig Platz!

Viele dieser Arten sind ausschließlich oder zumindest zeitweise während ihres Lebenszyklus auf Binnengewässer angewiesen. Dazu zählen zum Beispiel viele Fische, Amphibien, Insekten und auch einige Vögel.

Zu den Binnengewässern gehören nicht nur große Seen und Flüsse. Auch kleine Tümpel, Sümpfe oder Flussmündungen, in denen Süßwasser ins Meer fließt, zählen dazu. Es handelt sich also um besonders vielfältige Lebensräume, die oft miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause.

Die Kombination aus hoher Artenzahl auf wenig Raum, hoch spezialisierten Lebensformen und der Vielfalt und Vernetzung verschiedener Lebensräume macht Binnengewässer zu echten Hotspots der Biodiversität. Deshalb müssen wir diese Lebensräume gut schützen.

Eine begradigte Wasserstraße
Durch Begradigung verlieren Fließgewässer ihre natürliche Struktur.

Wie geht es den Binnengewässern und ihrer Artenvielfalt in Deutschland?

Jetzt weißt du schon, wie wichtig unsere Binnengewässer für die Artenvielfalt sind. Doch leider geht es diesen wertvollen Lebensräumen nicht gut. In den 1990er-Jahren gab es noch Fortschritte: Die Natur erholte sich und die Artenvielfalt in Flüssen wurde besser. Doch seit etwa 2010 ist dieser positive Trend gestoppt – und zwischen 2007 und 2019 hat sich der Zustand sogar wieder verschlechtert. Berichte wichtiger Naturschutzrichtlinien aus dem Jahr 2020 zeigen: 70 % der bewerteten Lebensräume im Wasser befinden sich in keinem guten Zustand. Besonders gefährdet sind Moore, Flüsse, Seen und Quellen. Sie gehören laut der Roten Liste zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen in Deutschland. Zwischen 60 % und 75 % dieser Lebensräume sind gefährdet oder sogar vom vollständigen Verschwinden bedroht.

Die Europäische Union hat zum Schutz unserer Gewässer die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) eingeführt. Seit Dezember 2000 soll sie eigentlich dafür sorgen, dass alle Gewässer – also auch Grundwasser und Küstengewässer – bis spätestens 2027 in einem „guten Zustand“ sind. Doch Deutschland hinkt weit hinterher: Im Jahr 2021 waren etwa 90 % der Flüsse und Seen hierzulande in keinem ökologisch guten Zustand.

Gründe, warum Gewässer in keinem ökologisch guten Zustand sind

Verschmutzung

Menschen verschmutzen das Wasser mit Schadstoffen und zu vielen Nährstoffen (z. B. aus Landwirtschaft und Industrie).

Veränderung des natürlichen Verlaufs

Flüsse werden begradigt, aufgestaut oder anderweitig in ihrem natürlichen Verlauf verändert – und dadurch gehen natürliche Lebensräume verloren.

Klimawandel

Der Klimawandel führt dazu, dass es weniger Grundwasser gibt und vor allem kleinere Gewässer austrocknen.

Invasive Arten

Invasive Arten, also Tiere oder Pflanzen, die ursprünglich nicht aus Deutschland stammen, verdrängen heimische Lebewesen. Hierzu zählen beispielsweise der Amerikanische Nerz und der Waschbär.

Das alles hat schlimme Folgen für die Lebewesen, die im oder am Süßwasser leben: Von etwa 12.900 bekannten Süßwasserarten in Deutschland gelten rund 7.000 als gefährdet – manche sogar als vom Aussterben bedroht. Das ist mehr als die Hälfte! Dazu gehört zum Beispiel der Fischotter, die Flussperlmuschel, die Sumpfschildkröte oder der Laubfrosch.

Ein Bach wird renaturiert
Durch Wiederherstellung der Lebensräume (Renaturierung) kann die biologische Vielfalt erhöht werden.

Was können wir tun, um Binnengewässer als Lebensraum zu schützen?

Um unsere Binnengewässer und ihre biologische Vielfalt zu schützen, müssen sie gesund und sauber sein. Leider ist das in Deutschland bei den meisten Gewässern nicht der Fall. Aber es gibt Wege, wie wir sie wieder in einen guten Zustand bringen können.

Das ist vor allem die Aufgabe der Politik. Es gibt dafür bereits Gesetze und Richtlinien – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Zwei wichtige Beispiele sind:

  • Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL): Sie besagt, dass bis 2027 alle Gewässer in Europa in einem guten ökologischen Zustand sein sollen.
  • Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH): Sie soll die biologische Vielfalt schützen, beispielsweise durch den Schutz natürlicher Lebensräume.

Auch in Deutschland gibt es Gesetze, die unsere Gewässer schützen sollen. Zum Beispiel das Bundesnaturschutzgesetz, wodurch bestimmte Gewässerarten unter Schutz gestellt werden können. Und das Wasserhaushaltsgesetz sorgt dafür, dass die europäischen Ziele der Wasserrahmenrichtlinie auch hierzulande gelten.

Doch damit unsere Gewässer wieder gesund werden, reicht es nicht, einfach nur Regeln aufzuschreiben. Es müssen auch echte Maßnahmen folgen.

Beispiele für Maßnahmen, um Gewässer zu schützen

Schadstoffe reduzieren

Abwasser, Dünger und Pestizide verschmutzen viele Gewässer. Lösungen können bessere Kläranlagen oder strengere Regeln für Industrie und Landwirtschaft sein. Außerdem können Ufergehölze helfen, Schadstoffe zu filtern.

Natürliche Flussläufe wiederherstellen

Viele Flüsse in Deutschland wurden begradigt oder mit Beton eingeengt. Es ist wichtig, dass wir natürliche Flussläufe wieder zulassen und ihre Uferstreifen schützen.

Lebensräume wiederherstellen

Wertvolle Lebensräume wie Moore, Auen oder kleine Teiche müssen durch Renaturierung zurückgewonnen und besser geschützt werden ‒ zum Beispiel durch die Wiedervernässung von trockengelegten Mooren.

Gesetze verbessern und wirklich umsetzen

Zwar gibt es Naturschutzgesetze, aber sie werden oft nicht richtig umgesetzt. Das liegt auch daran, dass es zu wenig Geld dafür gibt. Häufig steht Naturschutz außerdem in Konkurrenz zur Landwirtschaft. Hier braucht es mehr Unterstützung für Landwirte und Landwirtinnen, damit sie umweltfreundlicher wirtschaften können.

Engagement in der Gesellschaft

Nicht nur die Politik ist gefragt – auch wir können mithelfen. Wenn wir als Gesellschaft besser verstehen, warum gesunde Gewässer wichtig sind, können wir auch umweltfreundlicher handeln.

Wenn wir unsere Flüsse, Seen und Auen retten wollen, müssen viele mithelfen. Es braucht mutige Entscheidungen, klare Regeln und vor allem Menschen, die sich wirklich einsetzen. Wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir den Zustand unserer Binnengewässer wieder verbessern – und damit auch ihre biologische Vielfalt schützen.

Von See bis Gartentümpel, von der Quelle bis zur Mündung ins Meer: Binnengewässer und Auen haben ganz vielfältige Erscheinungsformen. Mit ihrer großen Verschiedenheit spielen sie eine wichtige Rolle in der biologischen Vielfalt – und für uns Menschen.